Wie Grimsel Hydro seine Prozesse ganzheitlich weiterentwickelt
Die Kraftwerke Oberhasli AG produziert seit über 101 Jahren Strom aus Wasserkraft und gehört damit zu den traditionsreichen Energieunternehmen der Schweiz. Eingebettet in die alpine Landschaft des Grimselgebiets leisten die Anlagen einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung und zur Stabilität des Stromnetzes. Die topografischen und klimatischen Bedingungen stellen hohe Anforderungen an Betrieb und Instandhaltung – gleichzeitig machen sie die Wasserkraft hier zu einer besonders wertvollen Ressource.
Neben der Stromproduktion ist das Unternehmen in weiteren Bereichen aktiv. Eigene Hotelbetriebe, touristische Angebote und Besucherführungen eröffnen Einblicke in die Welt der Wasserkraft und stärken die regionale Verankerung. Diese Kombination aus Energieproduktion, Dienstleistungen und Tourismus bringt komplexe betriebliche Anforderungen mit sich.
Ein zentraler Baustein ist Grimsel Hydro. Unter diesem Namen bündelt die Kraftwerke Oberhasli AG ihre Kompetenzen in der Instandhaltung, Fertigung und technischen Unterstützung – sowohl für die eigenen Anlagen als auch für externe Kunden.
Eigene Instandhaltung als strategischer Schritt
Der Aufbau der eigenen Instandhaltung begann in den 1970er-Jahren. Das Ziel: unabhängiger von externen Dienstleistern werden und technisches Know-how langfristig im Unternehmen sichern. Über die Jahrzehnte wurde die Werkstatt kontinuierlich erweitert und professionalisiert.
Heute beschäftigt Grimsel Hydro rund 50 Mitarbeitende und deckt ein breites Leistungsspektrum ab – von der Instandhaltung über Reparaturen bis zur Fertigung komplexer mechanischer Komponenten.
Effizientere Abläufe durch zentrale Beschaffung
Mit der Weiterentwicklung der Instandhaltung rückte auch die Organisation der Beschaffung in den Fokus. Die frühere Zusammenarbeit mit mehreren Lieferanten bedeutete hohen Koordinationsaufwand und erschwerte klare Strukturen.
Mit der Einführung von Single Sourcing im Bereich Maschinenwerkzeuge wurde dieser Prozess gezielt vereinfacht. Heute läuft die Beschaffung zentral über Brütsch/Rüegger Tools. «Früher hatte ich mehrere Ansprechpartner für verschiedene Produkte. Heute habe ich einen Ansprechpartner und einen Rechnungssteller. Das hat vieles vereinfacht – sowohl administrativ als auch in der Beratung», sagt Dörr.
Ein gutes Beispiel für diese Zusammenarbeit ist der Schuhanproberaum bei der KWO. Statt Sicherheitsschuhe klassisch zu bestellen, nutzen die Mitarbeitenden ein Konsignationslager mit verschiedenen Modellen. Die Schuhe werden von Brütsch/Rüegger Tools bereitgestellt, jedoch erst dann verrechnet, wenn sich ein Mitarbeitender konkret für ein Modell entscheidet.
«Die Mitarbeitenden können direkt vor Ort verschiedene Modelle testen und sich für das entscheiden, das wirklich passt», so Reto Krebs, Leiter Einkauf bei der Kraftwerke Oberhasli AG. «Das ist im Alltag eine enorme Erleichterung.»
Dieses System sorgt nicht nur für mehr Effizienz in der Beschaffung, sondern verbessert auch die Arbeitssicherheit und den Komfort im Alltag.
Von der Beschaffung zur ganzheitlichen Prozessoptimierung
Nach der Beschaffung nimmt Grimsel Hydro nun die internen Material- und Warenflüsse unter die Lupe. «Wir haben uns bewusst die gesamten Abläufe angeschaut – von der Bestellung bis zur Nutzung in der Werkstatt», erklärt Krebs. «Dabei geht es nicht nur um einzelne Schritte, sondern um das Zusammenspiel aller Prozesse.»
Die Analyse zeigte, dass insbesondere gewachsene Strukturen, unterschiedliche Lagerorte und fehlende Transparenz bei Materialbewegungen Optimierungspotenzial bieten. Ziel ist es, Warenflüsse klarer zu strukturieren. Es muss nachvollziehbar sein, wo sich welches Material befindet und in welchem Bearbeitungsschritt es steht.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Warenannahme und der Demontage. Warenbewegungen und die dazugehörigen Informationsflüsse werden aktuell detailliert analysiert, um daraus einen standardisierten, alltagstauglichen Warenfluss abzuleiten. Bestehende Abläufe werden dabei nicht komplett ersetzt, sondern gezielt weiterentwickelt.
In der bereits gestarteten dritten Phase wurden drei Pilotbereiche definiert, die nun schrittweise analysiert und optimiert werden.
Der erste Pilot betrifft die Werkzeugbereitstellung in der Fertigung. Ziel ist es, Werkzeuge und Betriebsmittel so bereitzustellen, dass Suchaufwände sinken und Arbeitsabläufe einfacher werden. «Die Mitarbeitenden sollen nicht suchen müssen, sondern direkt arbeiten können», so Krebs.
Ein weiterer Pilot fokussiert sich auf die Verbrauchsmaterialien. Hier geht es darum, mehr Transparenz über Bedarf, Bestand und Nachschub zu schaffen, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen.
Der dritte Pilot betrifft die internen Warenflüsse. Definierte Lagerplätze, klare Beschriftungen und kürzere Wege sollen die Abläufe effizienter und nachvollziehbarer machen. Hand in Hand damit werden auch die ERP-Prozesse weiterentwickelt, um Bestellungen und Materialflüsse besser miteinander zu verknüpfen.
Im Hotelbereich wird beispielsweise getestet, wie Bestellungen über eine zentrale Plattform gebündelt werden können. Mitarbeitende erfassen ihren Bedarf in einem einheitlichen Warenkorb, während die Bestellungen im Hintergrund automatisch an die jeweiligen Lieferanten weitergeleitet werden – je nach Anbieter digital oder per E-Mail. «Die Idee ist, dass Bestellungen direkt im System ausgelöst werden können», erklärt Krebs. «Im Hintergrund läuft der Prozess dann standardisiert weiter.»
Die Pilotprojekte dienen dazu, Erfahrungen zu sammeln, Erkenntnisse auszuwerten und Lösungen praxisnah weiterzuentwickeln. Im Zentrum steht dabei nicht die Methode, sondern die Zusammenarbeit im Alltag. Die Mitarbeitenden werden aktiv in die Analyse und Umsetzung einbezogen und bringen ihre Erfahrungen direkt in die Weiterentwicklung der Prozesse ein.
«Die besten Ideen entstehen direkt in der Werkstatt», sagt Dörr. «Wichtig ist, dass man diese aufnimmt und gemeinsam weiterentwickelt.»
Lean wird bei Grimsel Hydro deshalb nicht als kurzfristiges Projekt verstanden, sondern als kontinuierlicher Entwicklungsprozess. Ziel ist es, Prozesse langfristig transparenter, effizienter und alltagstauglicher zu gestalten – getragen von den Mitarbeitenden selbst.
Zusammenarbeit mit Blick nach vorne
Die Zusammenarbeit zwischen Grimsel Hydro und Brütsch/Rüegger Tools entwickelt sich kontinuierlich weiter – zunehmend auch über die klassische Beschaffung hinaus. Themen wie Prozessgestaltung, Materialflüsse und Arbeitsplatzorganisation gewinnen immer stärker an Bedeutung.
«Es geht darum, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die langfristig funktionieren», sagt Krebs. Single Sourcing wird dabei als Teil eines umfassenderen Ansatzes verstanden, der Effizienz, Qualität und Flexibilität miteinander verbindet. Im Vordergrund steht die kontinuierliche Weiterentwicklung bestehender Abläufe – praxisnah, schrittweise und mit klarem Fokus auf den Arbeitsalltag.
Fazit
Mit Grimsel Hydro verfügt die Kraftwerke Oberhasli AG über ein über Jahrzehnte gewachsenes Kompetenzzentrum für Instandhaltung und Fertigung.
Die Weiterentwicklung der Beschaffungs-, Material- und Prozessabläufe zeigt, wie Grimsel Hydro bestehende Strukturen gezielt hinterfragt und praxisnah optimiert. Die gestarteten Pilotprojekte schaffen mehr Transparenz, klarere Abläufe und eine bessere Unterstützung im Arbeitsalltag.
«Am Ende geht es darum, dass die Prozesse für alle funktionieren», bringt es Dörr auf den Punkt.