Arbeit mit Sinn: Am Campus Technik wird nicht «für die Tonne» produziert

Campus Technik: Fachkräfte von morgen lernen unter optimalen Bedingungen. (Alle Bilder: Josua Lai)

Wer heute junge Menschen erfolgreich ausbilden will, muss verstehen, wie diese ticken. Jan Sutter, Ausbildungsleiter bei Swissmechanic Solothurn und Mitglied der Grundbildungskommission des Dachverbands, kann hier aus Erfahrung sprechen: In den letzten elf Jahren hat er mehr als 800 Lernende begleitet. Dank dieser langjährigen und intensiven Arbeit mit Jugendlichen verfügt Sutter über wertvolle Erkenntnisse darüber, wie man die Fachkräfte von morgen sinnvoll und nachhaltig fördern kann. Diese Erfahrung bringt er natürlich auch in der Aus- und Weiterbildungsstätte Campus Technik voll zum Tragen.

In Grenchen verfolgt Sutter einen ambitionierten Plan: Er will die «Generation Flachbildschirm» nicht nur abholen, sondern die jungen Talente mit einem innovativen Lern- und Lehrkonzept für die technischen Berufe begeistern. Der Kern dieses Ansatzes sieht, vereinfacht ausgedrückt, so aus: Lernende sollen den Schulstoff nicht mehr wie bisher nur im klassischen «Frontalunterricht» pauken, sondern werden am Campus Technik auch dazu ermutigt, sich aktiv mit der Materie auseinanderzusetzen, Fragen zu stellen – und eigene Lösungen zu finden. Damit wird der passive Unterricht deutlich aktiver und interaktiver gestaltet, was die Aufmerksamkeit der jungen Leute mehr fesselt, und ihre Teilnahme verstärkt. Gleichzeitig wird die Vermittlung der Inhalte neu «portioniert».

Teil 3 der Serie «Leuchtturmprojekt für den MINT-Sektor»

In den ersten beiden Teilen unserer Serie haben wir den Campus Technik als Kompetenz-Schmelztiegel für den MINT-Sektor (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und die Swissmechanic Sektion Solothurn als treibende Kraft hinter der Ausbildungsstätte kennengelernt. Nun, im grossen Finale, wagen wir uns in das Herzstück der Operation, quasi in den «Maschinenraum der Pädagogik». Denn was nützen die besten Maschinen und die schönste Architektur, wenn die Ausbildungsmethoden noch im letzten Jahrhundert feststecken? Swissmechanic geht mit dem Campus Technik darum bewusst neue Wege.


Neue Zeiten, neue Herausforderungen

Warum ist dieser neue Ansatz heute so wichtig? In den vergangenen Jahren hat Jan Sutter bei der Lehrlingsausbildung einen fundamentalen Wandel festgestellt: «Junge Leute bringen heute einen ganz anderen Erfahrungsschatz mit als meine Generation damals. Früher waren wir in der physischen Welt unterwegs, da musste das 'Runde ins Eckige' passen. Heute ist in der Erlebniswelt der Jugendlichen fast alles flach und digital.» Das ist für die Handfertigkeit sowie die Aufmerksamkeitsspanne des Branchennachwuchses natürlich nicht förderlich. Die Antwort des Campus Technik darauf lautet aber keineswegs, die Standards zu senken, sondern vielmehr den Zugang zur Materie anzupassen.

«Damit sich junge Menschen auf komplexe technische Themen einlassen, müssen wir die Inhalte leicht verdaulich und stark visualisiert aufbereiten. Es braucht fast einen Entertainment-Charakter, um die Aufmerksamkeit zu gewinnen», erklärt Sutter.

Noch wichtiger als das «Wie» sei heute das «Warum». Die Zeiten streng hierarchischer Ansagen ohne Kontext sind vorbei. «Früher hiess es einfach 'Mach das!'. Heute fragen die Lernenden zu Recht: 'Warum machen wir das so? Was bringt das genau?'», so Sutter. Die Sinnhaftigkeit (auch Purpose genannt) ist zum entscheidenden Motivator geworden. Das pädagogische Konzept des Campus Technik setzt daher auf Transparenz sowie das Prinzip «Push & Pull». Die Lernenden werden gefordert (Push), müssen sich aber auch engagieren (Pull), um Fortschritte zu machen. «Ausprobieren und Machen» lautet die Devise.

Am Campus Technik lernen junge Talente direkt am Werkstück.

Nichts für die Tonne

Wer eine technisch-mechanische Lehre absolviert hat, kennt dieses Szenario nur zu gut: In vielen Lehrwerkstätten werden wochenlang Übungsstücke gefeilt und gefräst, die am Ende bewertet und dann weggeworfen werden. Nicht so am Campus Technik. «Wir wollen weg von Übungsstücken für die Tonne. Unsere Vision lautet, dass die Lernenden bereits während ihrer Ausbildung einen echten Beitrag leisten sollen», sagt Sutter, der das innovative und flexible Werkstatt-Layout in Grenchen selbst entworfen hat.

Das Ziel für den kommenden Sommer ist ambitioniert: Die Campus-Werkstatt soll ein Fertigungsunternehmen eins zu eins abbilden. Zu diesem Zweck werden verschiedene Rollen verteilt und der Campus selbst fungiert als interner Auftraggeber. Gefertigt werden funktionale Produkte, Halbfabrikate oder Kleinserien von z.B. fünf bis zehn Stück – marktfähig und nach echten Qualitätsrichtlinien. «Ausbildung und Business laufen sich normalerweise entgegen. Wir führen beides zusammen.»

Ausbildung und Business laufen sich normalerweise entgegen. Wir führen sie zusammen.
Jan Sutter
Ausbildungsleiter
Swissmechanic Sektion Solothurn

Agilität für anspruchsvolle Zeiten

Dieses neue «Bildungsmanagementsystem», das bereits auf die Bildungsreform 2026 einzahlt, hat auch für die Mitgliedsfirmen von Swissmechanic handfeste Vorteile. Enzo Armellino, Geschäftsführer der Swissmechanic Sektion Solothurn, sieht darin einen wichtigen strategischen Hebel: «Fähiges Personal, so wie wir es hier am Campus Technik ausbilden – selbstständig, sinnsuchend und praxisnah –, führt zu agilen Firmen. Und genau diese Agilität brauchen unsere Unternehmen, um auch in schwierigen Zeiten zu bestehen.» Dieses System entlastet die Betriebe und steigert gleichzeitig die Grundqualität der Fachkräfte. Zudem liefert es den Beweis, dass eine moderne Ausbildung mehr als nur ein reiner Kostenfaktor ist – nämlich eine wichtige Investition in die Zukunft des Werkplatzes Schweiz.

Damit zeigt der Campus Technik in Grenchen eindrücklich, dass man dem Fachkräftemangel nicht hilflos ausgeliefert ist. Man muss ihm aber aktiv begegnen – mit Herzblut, Hightech und dem richtigen Partner an der Seite.

Fähiges Personal, so wie wir es hier ausbilden, führt zu agilen Firmen. Und genau diese Agilität brauchen unsere Unternehmen.
Enzo Armellino
Geschäftsführer
Swissmechanic Sektion Solothurn

Werkzeugpartner mit Weitblick

Basierend auf der neuen Lernumgebung, welche sich möglichst nahe am Produktionsalltag orientiert, sollen am Campus Technik bald «Serien-Teile» gefertigt werden. Das dafür notwendige Know-how eignen sich Polymechaniker, Mechanikpraktiker, Produktionsmechaniker und Automatiker auch durch die Verwendung modernster Digitalisierungslösungen im Bereich der Werkzeugverwaltung und der Qualitätssicherung an.

Genau hier unterstützt Brütsch/Rüegger Tools den Campus Technik: Die Auszubildenden beziehen anhand ihres Fertigungsauftrags das richtige Rohmaterial sowie die richtigen Werkzeuge an den vorhandenen ToolBox-Lösungen. Dank den hinterlegten Werkzeuglisten pro Bauteil sind die Lernenden bereits früh in der Ausbildung optimal unterstützt, wenn es um die Auswahl der richtigen Werkzeuge für ihre Bearbeitungen geht. «Die Nachwuchskräfte erleben so tagtäglich, dass die Systeme durch automatisierte Bestellungen die Versorgungssicherheit clever und einfach gewähren», erklärt Olaf Sprich, Leiter Verkauf und Geschäftsleitungsmitglied des führenden Werkzeugpartners. 

Bestens ausgestattet: Brütsch/Rüegger Tools hat sämtliche Arbeitsstationen in der Lernenden-Werkstatt ausgerüstet.

Die Unterstützung endet aber nicht nach dem Werkzeugbezug – auch während der Fertigung können die Lernenden anhand der «Quality Control Lösung» sowohl die In-Prozess-Kontrollen als auch Endkontrollen durchführen und die Masshaltigkeit der Teile softwaregestützt prüfen und dokumentieren. Das erleichtert nicht nur den Arbeitsalltag der Lernenden, sondern auch den der Ausbildner, denn die Überprüfung von Prüfungen wird maximal einfach direkt in Quality Control durchführbar.

Der Schwerpunkt des Campus Technik ist und bleibt die Ausbildung der Fachkräfte von morgen. Gleichzeitig steigern die intelligent eingesetzten digitalen Lösungen Effizienz, Prozesssicherheit und Qualitätsbewusstsein – ein wertvoller Nebeneffekt. «Idealerweise nehmen die jungen Leute das Gelernte mit in ihre Lehrbetriebe, geben dort wichtige Impulse und tragen somit dazu bei, Prozesse weiterzudenken und neue Horizonte zu eröffnen», führt Sprich aus.

Ordnung muss sein: Die ToolFoam-Einlagen erleichtern das korrekte Einräumen der Werkzeuge.

Praxisnahe Lerninhalte mit direktem Bezug zur Industrie

Brütsch/Rüegger Tools trägt die Vision des Campus Technik vom ersten Tag an mit. Darum liefert man nebst Werkzeugen und Software auch praxisnahe Lerninhalte. Ein Beispiel hierfür liefert der praxisorientierte Workshop im Bereich Fügetechnik. Dieser wurde gezielt auf die Bedürfnisse der Lernenden abgestimmt und folgt einem didaktisch und methodisch durchdachten Aufbau: Kurze, kompakte Theorieeinheiten wechseln sich bewusst mit praktischen Anwendungen ab, sodass das Gelernte unmittelbar umgesetzt und vertieft werden kann.

«Um dieses Fachgebiet auf einem hohen und aktuellen Niveau vermitteln zu können, wurde das Ausbildungsteam inhaltlich durch unseren Partner HENKEL AG geschult», erklärt Sergej Steiner, Fachberater bei Brütsch/Rüegger Tools. Die Weiterbildung fand direkt beim Hersteller in Düsseldorf statt und diente dazu, das fundierte Fachwissen im Bereich Kleben und Fügen gezielt aufzubauen und anschliessend an die Lernenden weiterzugeben.

Warum ist das so wichtig? «Weil Klebtechnologien zunehmend an Bedeutung gewinnen», betont Steiner. Umso wesentlicher ist es, dass angehende Fachkräfte frühzeitig ein solides Verständnis für diese Technologien entwickeln. Mit dem aufgebauten Know-how aus der Herstellerschulung kann dieses Wissen praxisnah, verständlich und zukunftsorientiert vermittelt werden.

Der Umgang mit digitalen Technologien ist für die Lernenden am Campus Technik Teil ihres Alltags.

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