Der Motor der den «Ideen-Campus» antreibt

Ein Blick in die moderne Werkstatt des Campus Technik, dem neuen Wissenshub der mechanisch-technischen Berufe in Grenchen. (Alle Bilder: Josua Lai)

Wer den Campus Technik betritt, spürt es sofort: Es herrscht eine fast elektrisierende Spannung. Es fühlt sich an nach Aufbruch, nach Tatendrang, nach neuen Visionen. Hier, in Gehdistanz zum Bahnhof Grenchen, wurde nicht einfach eine weitere Schule gebaut, sondern eine strategische Antwort auf die Nöte der Schweizer Industrie und der MINT-Betriebe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) formuliert. Federführend bei der Planung, Umsetzung und nun auch im operativen Betrieb ist die Swissmechanic Sektion Solothurn.

Worum handelt es sich bei der Organisation genau? Als eine von 15 regionalen Sektionen des nationalen Arbeitgeber-, Fach- und Berufsverbandes vertritt sie im Kanton Solothurn die Interessen der mechanisch-technischen und elektrotechnischen Branchen. Landesweit stehen hinter dem Namen «Swissmechanic» rund 1'400 Mitgliederfirmen mit etwa 70'000 Mitarbeitenden und 6'000 Lernenden. 

Teil 2 der Serie «Leuchtturmprojekt für den MINT-Sektor»

In der letzten Ausgabe der ToolNews haben wir Ihnen den Campus Technik in Grenchen vorgestellt – jenen modernen «Know-how-Schmelztiegel», der mit modernster Infrastruktur und innovativen didaktischen Methoden dem Fachkräftemangel den Kampf ansagt. Wir haben gesehen, wo die Zukunft der Technikbranche stattfindet. Doch ein Gebäude ist nur eine Hülle aus Beton und Glas. Ein Ideen-Campus benötigt einen Motor, der ihn antreibt, sowie Köpfe, die den Mut haben, alte Pfade zu verlassen. In diesem zweiten Teil unserer Serie blicken wir hinter die Kulissen des Campus Technik und stellen die Macher der Swissmechanic Sektion Solothurn ins Rampenlicht.

Doch im Sekretariat in Grenchen verwaltet man nicht nur Zahlen, denn hier hat man schon früh erkannt, dass sich grosse Ziele im Alleingang kaum erreichen lassen: «Unsere Mitgliederfirmen haben verstanden, dass wir als starker Verband mehr bewegen können – sei es in der Wirtschaftspolitik, hinsichtlich Image der Branche oder eben ganz konkret in der Bildung», heisst es aus dem Verband. Der Campus Technik ist somit der physische Beweis für die Stärke einer Gemeinschaft, die nicht darauf wartet, dass andere die Probleme lösen.

Besser ausgerüstet als jede Lehrlingswerkstatt: Im Ausbildungszentrum in Grenchen können Lernende die neueste Technik nutzen.

Raus aus der «destruktiven Spirale»

Warum aber engagiert sich ein Arbeitgeberverband derart intensiv für den Bau eines eigenen Bildungszentrums, für dessen Realisierung man Investitionen von über fünf Millionen Franken zusammentragen musste? Um das zu verstehen, muss man mit den Menschen sprechen, deren Herzblut in diesem Projekt steckt.

Einer von ihnen ist Jan Sutter, Leiter Ausbildung bei der Swissmechanic Sektion Solothurn sowie Mitglied der Grundbildungskommission des Gesamtverbands. Für Sutter ist das Projekt eng mit seiner eigenen Biografie verknüpft: «Ich bin seinerzeit selbst aus der direkten Fertigung rausgegangen, weil mir einfach das Entwicklungspotenzial fehlte», erklärt er. «Ich hatte oft das Gefühl, unter meinen Möglichkeiten zu bleiben.» Seine eigenen Erfahrungen mit der Bildung bis zum 20. Lebensjahr beschreibt Sutter als ernüchternd. «Das kann man besser machen», sagte er sich damals – und wechselte die Seiten, um genau das zu beweisen.

Alles hat seinen Platz – den Lernenden wird auch Ordnung und Genauigkeit vermittelt.

Heute treibt ihn der Wunsch an, die Lücke zwischen der rasanten technischen Entwicklung in der Industrie und den oft veralteten Ausbildungsmethoden zu schliessen. Er sieht die Branche in einer gefährlichen Zwickmühle und führt dies auf eine «destruktive Spirale» zurück, die sich immer stärker abzeichnet: Der Fachkräftemangel führt in den Betrieben zu Überlastung. Wenn Fachkräfte fehlen, fehlt oft auch die Zeit oder Kompetenz für eine qualitativ hochwertige Betreuung der Lernenden. Dies endet oft in niederschwelliger Arbeit und macht die Ausbildung unattraktiv – und der Mangel verschärft sich weiter.


«Wir tun den jungen Leuten häufig unrecht»

Der Campus Technik ist für Sutter ein zentrales Werkzeug, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Es geht ihm um Wertschätzung durch Investition: «Wir tun den jungen Leuten oft unrecht, wenn wir ihnen nicht das beste Werkzeug an die Hand geben. Mit einer modernen Umgebung können wir in kurzer Zeit enorm viel bewirken.» Swissmechanic wolle mit dem Campus Technik zeigen, dass junge Talente sofort Leistung erbringen und einen echten Mehrwert schaffen können, wenn man ihnen das richtige Umfeld bietet.

Wir befinden uns in einer destruktiven Spirale. Der Campus Technik ist unser Werkzeug, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Jan Sutter
Leiter Ausbildung
Swissmechanic Sektion Solothurn

Die lückenlose «Bildungswertschöpfungskette»

Es geht beim Campus Technik also nicht nur um «Kosmetik» am Image der Branche, sondern um eine tiefgreifende strukturelle Erneuerung. Enzo Armellino, Geschäftsführer der Swissmechanic Sektion Solothurn und Campus-Gesamtprojektleiter, denkt dabei in grossen Zusammenhängen. Für ihn war eine Motivation zentral: die Zersplitterung der Bildungslandschaft aufzuheben. «Wir wollten die 'Bildungswertschöpfungskette' an einem einzigen Ort vereinen und lückenlos abdecken», erklärt Armellino. Er skizziert diese Kette in vier klaren Gliedern, die sich nun im Campuskonzept wiederfinden.

  1. focusMINT (Der Nachwuchs): «Wir müssen Kinder und Jugendliche spielerisch abholen und für Technik begeistern, lange bevor die Berufswahl ansteht. Wenn wir warten, bis sie 16 sind, ist es oft zu spät.»
  2. Grundbildung (Das Fundament): Eine Berufslehre, die nicht der Technik hinterherhinkt, sondern am Puls der Zeit ausbildet.
  3. Weiterbildung (Der Aufstieg): Das lebenslange Lernen, ermöglicht durch Partner wie die Höhere Fachschule für Technik Mittelland (HFTM), die direkt im Haus eingemietet sind.
  4. Anwendung (Die Praxis): Die Integration von Firmen direkt im Gebäude, um den Praxisbezug sicherzustellen und Innovationen auszutauschen.

«Wir schaffen auf diese Weise Sichtbarkeit für die Industrie», fasst Armellino zusammen. Durch die Bündelung dieser vier Bereiche unter einem Dach entstehen Synergien, die dem Fachkräftemangel an der Wurzel begegnen, statt nur Symptome zu bekämpfen. Man habe hier einen Ort des lebenslangen Lernens geschaffen, an dem der Schnupperlehrling dem CEO in der Cafeteria begegnet. 

Wir bilden die gesamte Bildungswertschöpfungskette ab: vom Kind über den Lernenden bis hin zum Techniker in der Weiterbildung.
Enzo Armellino
Geschäftsführer
Swissmechanic Sektion Solothurn

Eine Vision, die überzeugt

Mit guten Ideen und Motivation allein ist aber noch keine Veränderung erwirkt. Dafür braucht man auch die richtigen Partner und Werkzeuge. Brütsch/Rüegger Tools bietet beides: «Die richtigen Fachkräfte für morgen zu gewinnen, junge Menschen für mechanische Berufe zu begeistern und sie qualifiziert auszubilden, ist eine grosse Herausforderung», erklärt Olaf Sprich, Leiter Verkauf und Geschäftsleitungsmitglied des führenden Werkzeugpartners. «Dafür braucht es eine moderne und begeisternde Lern- und Arbeitsumgebung – genau eine solche hat die Swissmechanic Solothurn nun mit dem Campus Technik realisiert.»

Dass man dieses Vorhaben von Beginn an umfassend mit Betriebseinrichtungen, Werkzeugen und Messmitteln sowie mit Bewirtschaftungs- und Digitalisierungslösungen rund um die Fertigung unterstützen würde, war für Sprich und Brütsch/Rüegger Tools selbstverständlich. «Uns war klar: hier entsteht etwas Grossartiges, Einzigartiges und wir wollten zum Erfolg mit Begeisterung und Engagement beitragen.

Starke Partnerschaft: Brütsch/Rüegger Tools trägt die Vision des Campus Technik seit Tag eins mit.

Die Vision und unser Wunsch von Brütsch/Rüegger Tools für die Swissmechanic Solothurn lautet, dass sie dank ihrer hochmodernen Lernumgebung, dem hohen Digitalisierungsgrad und innovativen Methoden der Wissensvermittlung schon bald eine Warteliste interessierter Lernender führen kann – und dass Lehrbetriebe wie Lernende gleichermassen Schlange stehen, um hier einen Ausbildungsplatz zu ergattern. «Damit wäre ein wichtiger Beitrag geleistet, dem Fachkräftemangel nachhaltig entgegenzuwirken», betont Olaf Sprich.


Ausblick: Wie lernt man heute für die Zukunft?

Nun kennen Sie den Ort und die Strategen, welche die Vision des Campus Technik möglich gemacht haben. Sie wissen, dass Swissmechanic Sektion Solothurn nicht nur Verwalter, sondern Gestalter ist. Doch wie sieht diese revolutionäre Ausbildung im Alltag konkret aus? Warum lernt ein Polymechaniker hier anders – und vielleicht besser – als anderswo? Im dritten und letzten Teil unserer Serie tauchen wir tief in den «Maschinenraum der Pädagogik» ein. Wir zeigen auf, wie im Campus Technik die Grundbildung neu gedacht wird, welche Rolle Partner wie Brütsch/Rüegger Tools dabei spielen – und warum aus dieser Kombination der Hebel gegen den Fachkräftemangel entsteht.


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